NaziMnsterMünster war eine schöne Stadt und ist es auch  geblieben. Die Nazionalsozialisten im Dritten Reich hatten die Stadt einmal besucht und waren mit Begeisterung empfangen worden. Leider war die Stadt im Krieg mächtig zerstört worden. Der Aufbau ging zwar zügig voran. Es dauerte aber Jahre bis das schöne Rathaus und die Gebäude auf dem Prinzipalmarkt, dem Zentrum der Stadt, wieder hergestellt waren. Nach Verlassen des elterlichen Hofes hatte sich mein Vater in Münster niedergelassen, wo er auch arbeitete. Nach Rückkehr aus dem Krieg suchte er seine Familie zusammen und siedelte sie in Münster an.

Wir hatten auf der Grevenverstraße 68 in Münster zunächst nur eine kleine Wohnung. Insgesamt verfügten wir über zwei Zimmer. Die Toilette war im Treppenhaus. In der Küche hatten wir einen riesigen Küchenherd von Küpersbusch. Er wurde mit Kohle beheizt und wärmte gleichzeitig die Wohnung. Der Esstisch hatte eine große Ausziehlade mit zwei Schüsseln für den Abwasch des Geschirrs.

Natürlich war das auf Dauer kein Zustand und wir zogen in das Dachgeschoss auf der Sternstraße 29 in Münster. Unsere Großeltern waren zwischenzeitlich auch nach Münster gezogen und teilten eine Wohnung mit zwei anderen Mietern auf der Kettelerstraße.

Ich besuchte sie dort oft und traf auch eines Tages auf meinen Onkel Horst, dem Bruder meiner Mutter. Er war aus russischer Gefangenschaft zurückgekommen und versuchte sich erneut zu etablieren. Er hatte im Kreuzviertel ein Zimmer gemietet. Alles was er besaß war ein Radio und einen Ledermantel, in dem er gut aussah. Er kaufte sich bald ein Fahrrad für seinerzeit 5 DM und zog damit über Land als ambulanter Kaufmann, indem er die Textilien von Kluxen verkaufte. Das Textilhaus Kluxen hatte seine Geshchäftsstelle auf dem Prinzipalmarkt, Ecke Salzstraße, in Münster. Sein Aufstieg erfolgte sehr schnell im Nachhinein. Es dauerte nur wenige Jahre bis er uns wirtschaftlich überholte.

Salzstrae1930

Meine Großelter zogen von der Kettelerstraße zur Dorothenstraße 11. Diese Straße lag parallel zur Sternstraße. Angesichts der Ruinen konnten wir uns von unseren Wohnsitzen aus sehen. Ich besuchte meine Großeltern auch häufig auf der Dorotheenstraße. Da sie mich bis zum dritten Lebensjahr großgezogen hatte, fühlte ich mich bei ihnen mehr zuhause.

WirDreiInDerPromenadeDie Wirtschaft entwickelte sich in Deutschland. Von den Essensmarken waren wir auf die Deutsch Mark umgestiegen. Mein Vater hatte sich nach dem Krieg umgeschult. Aus dem langjährigen Soldaten war ein Beamter beim Finanzamt geworden. Er zeigte uns Münster und unternahm mit uns Spaziergänge mit Vorliebe im Schloßpark von Münster. Von dort stammten auch die ersten Fotos.

Ich hatte meine Vorliebe für die Fotographie entdeckt und mir einen Fotoapparat gewünscht. Mit der "Bilora-Box" wurden die ersten Aufnahmen gezeitigt: 9 Aufnahmen, schwarz-weiß, auf einem Film. Es war fast eine technische Revolution.

Unser Leben nahm seinen Lauf. Wir besuchten die Volksschule in St. Mauritz, lernten Fahrradfahren und zerschunden uns die Knie beim Rollschuhfahren. Die Ruinen verschwanden mehr und mehr und damit unsere Spielplätze. Wir spielten mit den Nachbarkindern im Hof und zerschlugen beim Schlagball einige Fenster. Körperlich entwickelte ich zu angenehmer Stärke und räumte meinen Geschwistern das Vorrecht ein, die Sternstraße unbehelligt passieren zu können. Ich verprügelte nämlich die drei Nachbarskinder, die glaubten sie könnten meine Geshwister körperlich angreifen. Von da an war die Ordnung wieder hergestellt.

Mein Vater kaufte sich ein kleines Motorrad und suchte die Schule in Wadersloh auf, in die ich interniert werden sollt. Er brauchte fast den ganzen Tag für die 60 km, da er Wert darauf legte vorsichtig zu fahren. Erst als ihn die Radfahrer überholten legte er an Geschwindigkeit zu. Später kaufte er ein Motorrad Marke WirDreiKinderInWei"Deutz" mit dem er mich später im Internat besuchte. Ich sollte übrigens Priester werden und war im Johanneum-Kolleg von Wadersloh bei Beckum gelandet.

Die Motorisierung schritt weiter voran. Wir kauften uns ein Auto. Zunächst war es ein Volkswagen und später ein Taunus. Mein Bruder und ich wir machten unseren Führerschein. Er war wesentlich geschickter als ich. Mein Fertikeit entwickelte sich erst nachdem ich die Zierleisten von unserem Taunus - Ford abgefahren hatte, indem ich kurz die Mauer im Hof streifte. Wenn ich meinem Vater von einem Unfall berichtete war seine erste Frage: "Seid ihr verletzt. " Er war großartig.

Wir hatten, ich glaube in den 60er Jahren, unseren Wohnsitz auf die Peter-Wust-Straße 5 in Münster verlegt. Dort gefiel es uns sehr gut und wir verblieben dort. Die Nähe des Aasees, der Schloßpark waren angenehme Ausflugsziele. Es gab zahlreiche Sportmöglichkeiten und ich startete direkt vom Wohnsitz aus meinen Waldlauf.

Wir Drei

 Opel P4

 

 

 

 

 

 

 

 

die ersten Aufnahmen in Münter nahe Schlosspark/Aasee

 

 

Peter Wust