Jean Baptiste de La Salle, Gründer der Genossenschaft der Schulbrüder, * 30.4. 1651 in Reims als erstes Kind eines Obergerichtsrates, † 7.4. 1719 in St-Yon bei Rouen, bestattet im Mutterhaus zu Lembecq-les-Hal bei Brüssel (Belgien), am 19.2. 1888

Von Leo XIII. selig-, und am 24.4. 1900 heiliggesprochen. 1950 wurde er zum Patron der Lehrer erhoben. Sein Gedächtnis wird heute am 7. April gefeiert (früher am 15. Mai). -

Aus adeligem und vermögendem Haus stammend wurde er mit 12 Jahren Kleriker, erhielt mit 16 Jahren ein Kanonikat in Reims, studierte in St-Sulpice in Paris, wurde mit 18 Jahren Magister und am 9. April 1678 zum Priester geweiht.

Zeit seines Lebens kümmerte er sich um die materielle und geistige Hebung der sozial schwachen Bevölkerungsschichten.

Auf Veranlassung seines Seelenführers, des Kanonikus Nikolaus Roland (+ 1678), übernahm er die Leitung der »Schwestern vom Kinde Jesu«, die sich der Unterrichtung armer Steinsche Mädchen (Mädchenfreischulen) und der dafür nötigen Lehrerinnenbildung widmeten.

Zur Lehrtätigkeit in Elementarschulen kam er durch Frau Charlotte Roland de Maillefer, die ihm den Lehrer Adrian Nyel, einen verdienten Schulmann aus Rouen, zur Gründung einer Freischule 1679 in Reims empfahl.

Dem Lehrer Nyel schlossen sich bald drei Schulgehilfen an und so mietete De La S. zu Weihnachten ein eigenes Haus für die Lehrer, in dem alsbald eine dritte Freischule errichtet wurde. Am 26. Juni 1681 nahm er die Lehrer in sein eigenes Haus auf in einer Art klösterlichen Gemeinschaft.

1683 legte er sein Kanonikat nieder und begründete 1684 die Genossenschaft der »Brüder der christlichen Schulen«, die als Ordenskleid ein einfaches schwarzes Gewand aus grobem Tuche trugen. Noch im gleichen Jahr gründete er zur Heranbildung von weltlichen Landlehrern das erste Seminar für Volksschullehrer, das 1699/1700 nach Paris verlegt wurde und eine Armenschule als Übungsschule erhielt.

Selber hatte er schon 1688, zusammen mit 2 Brüdern, eine heruntergekommene Freischule im Pfarrbereich von St-Sulpice in Paris übernommen, wo bisher 200 Schüler in einem einzigen Schulsaal und von einem einzigen Lehrer unterrichtet wurden. Diese teilte er nun nach Fähigkeiten und Leistungen in drei Abteilungen oder Klassen mit eigenem Schulzimmer und eigenem Lehrer. 1690 wurde eine zweite Freischule errichtet und 1698 und 1699 weitere.

Im Dorf Vaugirard bei Paris pachtete er 1691 ein einsam gelegenes Haus zur geistlichen Sammlung, wo er mit 2 Brüdern Johanneum3zusammen am 21. November das lebenslange Gelübde der Ordenszugehörigkeit ablegte. 1692 wurde hier dann das Noviziat eröffnet.

Im Jahre 1698 nahm er auf Veranlassung des entthronten Königs Jakob II. von England 50 adelige Knaben aus Irland zur Erziehung in einem Pensionat auf und gründete 1699 eine sonntägliche Gewerbeschule für Lehrlinge und junge Arbeiter, die als erste technische Sonntagsschule, als erste aller Gewerbeschulen gilt. 1705 wurde das Noviziat nach St-Yon bei Rouen verlegt.

In Rouen errichtete La S. ein Knabenpensionat mit Real- und Gewerbeschule und später auch eine für heutige Begriffe pädagogisch fortschrittliche Besserungsanstalt für straffällige Jugendliche mit Ackerbauschule und Werkstätten.

Viele Anfeindungen und manche Rückschläge konnten die schnelle Ausbreitung seines Werkes nicht wesentlich beeinträchtigen, das der Beginn des französischen Volksschulwesens wurde. Das bis dahin bestehende Schulsystem der Schreiblehrerzünfte vermittelte nur minimale Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen, und zwar auf dem Wege eines unsystematischen Einzelunterrichts.

Die Schwerpunkte seiner Erneuerung sind: seine Novizen lernen kein Latein (1923 aufgehoben), unterrichtet wird im Klassenverband, allgemein wird die Muttersprache verwendet, höchstes Gewicht ist auf die Bildung und Hebung des Ansehens der Lehrer zu legen und die Unterrichtsfächer werden ausgeweitet, um auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. Insgesamt verdanken ihm das realistisch-höhere, berufliche und das Heilschulwesen entscheidende und bahnbrechende Erstgründungen. In zahlreichen Schulschriften gab er Anweisungen zur praktischen Arbeit.

----------------------------------------------------------------------

Werke: Die Pflichten des Christen, 1703; Die Regeln der christlichen Wohlanständigkeit und Höflichkeit, 1703; dt. 1909; Regel der Brüder der christlichen Schulen, 1717; dt. 1903; Leitung der christlichen Schulen, 1720; dt. 1911, Bibl. kath. Päd. XVII; Anleitung für Lehrerbildner, dt. 1911.