Bund4Ich glänzte bei der Bundeswehr durch eine ausgezeichnete Undiszipliniertheit. Mir war überdies offensichtlich anzusehen, dass ich nicht viel von der Truppe hielt.

Zunächst landete ich in Hesedorf zur Grundausbildung. Als ich mit den anderen Wehrpflichtigen im Bus anfuhr, hatten wir noch das Sagen. Die Uniformirten kümmerten uns wenig. Das änderte sich schlagartig als wir in der Kaserne eintrafen. Wir wurden sofort angeschrieen, um irgend einen Befehl auszuführen. Wie unhöflich dachte ich noch, gewöhnte mich aber an den Ton.

Dauernd mussten wir antrete, die Klamotten wechseln, Stube sauber machen und ähnlichen Firlefanz.

Die meiste Zeit hielt ich mich mit Josef Plottek auf. Wir verstanden uns gut. Er liebte, wie ich,  vollbusige Frauen. Unsere Spinte waren voll von Bildern mit Jane Mansfield und Brigitt Bardot.

Bund5Hin und wieder untenahmen wir einen Ausgang und besuchten eine Diskoscheune im Dorf. Die Dörfler sahen das nicht gern, da sie fürchteten ihre Dorfschönen an uns zu verlieren.Sie kümmerten uns aber herzlich wenig. Viel mehr machte es uns Spaß den Strom abzustellen. Die ganze Scheune lag im Dunkeln, die Musik verstummte und die Meute schrie: "Macht das Licht an!" Josef und ich, wir hatten uns bereits in Deckung gebracht. Die Dorfburschen verfolgten uns jedoch, fuhren die Straße ab bewaffnet mit Tränengas. Josef und ich hatten jedoch einen Weg querfeldein genommen.

Nach Mitternacht trafen wir in der Kaserne ein. Unser kleiner Unteroffizier sprang im Dreieck, weil wir so viel Lärm machten. Wir sollten ruhig sein. Er mache jetzt das Licht aus. Ich nahm einen Stiefel uns schleuderte ihn gegen die Lampe. Die Kaserne war im Dunkeln. Josef drohte dem Stuffz noch: "Wenn du uns anzeigst, kriegt du den Arsch voll. "

Bund1Nach drei Monaten ging es in Lingen weiter. Auch hier besuchten wir wieder die Diskotek. Es gab in dem Kaff nur einen Tanzschuppen.

Wir fanden einmal Boxhandschuhe. So trainieren wir uns, Josef und ich, im Boxen. Wir hatten den Drang etwas zu tun, um etwas gegen die Langeweile in der Nachschubdepotkompanie zu tun. Ansonsten saßen wir in der Kantine und berieselten uns mit Alkohol.

Ein gute Sache aber hatte das Ganze. In den zahlreichen Nächten, in denen ich - meistens zur Strafe - Wache stehen mußte, fuhr ich von Lingen nach Münster und trainierte mich im Unterwassersport. Es wurde der Grundstein gelegt, mich zum hervorragenden Unterwassersportler auszubilden. Meine Kameraden in der Kaserne deckten mich bereitwillig, zumal bei meinem Wachdienst die Soldaten meiner Kompanie ungestraft über den Zapfen hauen konnte. Sie scherten sich wenig über ihren zeitlich begrenzten Ausgang. Sie konnten sich bei mir zu jeder Zeit einschleusen.

Bund2Einmal die Woche fuhr ich in der Nacht nach Münster zum Tauchsport. Es traf sich, dass ein Mitglied des Tauchsportvereins in Münster, dem ich beigetreten war, direkt neben der Kaserne in Lingen wohnte. Er besaß einen 300er Mercedes, der letzte Schrei der damaligen Epoche, mit dem wir die Strecke nach Münster zurücklegten. Wir tränierten in Schwimmbad, lernten die Geräte nutzen und übten uns im Tauchen. Ich schaffte es unter Wasser im Schwimmbecken hin und zurückzuschwimmen. Meine Lungenkapazität lag etwas über 6 Liter.  Nach den Tauchübungen fuhren wir in unser Clubhaus und feierten. Die Parties waren toll. Ich lernte jede Menge junge Mädchen, Das änderte mein Leben etwas im Vergleich zu meinem sterilen Klosterleben bei den Franziskanern in Wadersloh. Meine urprünglichen Vorsätze Priester zu werden waren längst über Bord geflogen.

Ich pflegte den Tauchsport  übrigens auch später und wurde sogar Rettungstaucher bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Frankfurt am Main und Tauchsportausbilder im "Club Subaquatique" in Genf.

Jedoch alles ist vergänglich - auch lebenslänglich. 1968 verließ ich den Militärdienst. Meine Kameraden wurde vor ihrer Abreise gefragt, ob sie nicht freiwillig weiter dienen wollten. Mir stellte man die Frage erst gar nicht. Man kannte die Antwort.