img550Es begannen die Siebziger Jahre. Nach zwei Jahren bei der KfW stieß ich auf ein Inserat der Union de Banques Suisses, in dem im Rahmen einer Anstellung als "Stagiaire" die Möglichkeit geboten wurde, in der Schweiz zu arbeiten. Das war die Gelegenheit, die Grenzen erstmalig zu überschreiten. Ich nahm den Job an und landete 1970 in Genf. Um mobil zu sein, hatte ich den Volkswagen von meinem Vater gekauft und mir sogar schweizer Nummnernschilder besorgt. 

Bei der Union de Banques Suisses (UBS) befaßte ich mich mitubs Exportfinanzierungen und vervollständigte meine etwas dürftigen Französischkenntnisse. 

Während ich bei der KfW mächtig verwöhnt worden war, erlebte ich bei den Schweizern eine Diskriminierung, die mich aufs äußerste verletzte. Ich war eben nicht Schweizer und damit eine Gattung zweiter Klasse. Es spielte keine Rolle, dass ich beruflich wesentlich besser qualifiziert war als meine Kollegen auf der Bank. Ich war eben nicht Schweizer und Privilegien wie sie den Schweizern gewährt wurden, waren mir versagt.

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Ich tröstete mich damit, dass mein Aufenthalt nur von beschränkter Dauer war - max. 1½ Jahre. Die UBS unterhielt einen Verein, mit dem man am Wochenende Ausflüge machte. Ich partizipierte eifrig an den Ausflügen ins Gebirge und lernte dabei Schifahren.

In der Bank lernte ich ein Mädchen kennen, Anne-Marie Stehlig. Sie kam aus Kassel, hatte sich in der Schweiz verheiratet und war im Kanton Genf gelandet, um ihre Scheidung durchzuziehen.

Sie begleitete mich auf den Pisten und lehrte mich die erforderliche Technik, um heil die Piste herunterzukommen. Zwar waren meine Stürze zahlreich, zumal ich mir ein unsägliches Vergnügen daraus machte steile und löcherige Pisten zu nehmen und die Buckel zu umfahren. Zum Glück war ich geschickt genug und holte mir keinen Beinbruch.

Vielmehr interessierten mich die Cafés auf den Hängen, um nach ein paar Schiläufen mit meinen Freunden ein Fondu zu genießen, was angesichts der Geselligkeit der Schweizer etwas Kraft kostete.

 

 

 

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Meine besondere Neigung galt de Unterwassersport. Ich trat in Genf dem "Club Subaquatique" bei, trainierte im Lac Leman und nahm an den Fahrten ans Mittelmehr teil, wo wir Unterwassertauchgänge unternahmen. Selbst in diesem Club bekam ich die Diskriminierung zu spüren.

Gelegentlich tauchten wir auch in den Gebirgsseen. Das Wasser war dort unwahrscheinlich kalt. Trotz unserer Tauchkleidung konnten wir angesichts dieser Kälte keine großen Tiefen erreichen. Umso besser schmeckte uns anschließend das Picknick.

 

 

 

1971

 

Die meiste Zeit verbrachte ich mit Kim, einem Griechen, Christian, einem Franzosen aus Anemasse und Olga, einem deutschen Mädchen aus Ascheberg. Mit Schweizern war einfach nicht warm zu werden. Sie verkehrten hauptsächlich nur unter sich. Mir war es gleichgültig, zumal wir und mächtig vergnügten. Für die Fahrt ans Mittelmeer lud uns Kim ein und wir legten die Strecke im Straßenkreuzer seines Vater´s zurück - sehr zum Neid der Schweizer.

 

 


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mitKirm Olga

 Christian

 

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Darüber hinaus hatte ich Gelegenheit Tennis zu spielen. Am Rande des Genfer Sees verfügte die Bank über Tennisplätze. Ich hatte mir ein holländisches Mädchen angelacht und trainierte mit ihr fleißig auf den Plätzen.

 

 

 

 

 

Ich schwor mir, mich bei meinem Abschied  zu rächen, sollte sich dazu jemals eine Gelegenheit bieten. Es sollte auch so geschehen. Befriedigung erhielt ich später in Montreal, als ich einem Schweizer 35 000 kan$ bei einem Immobilienverkauf abjagte.  Auch das Management im Nachfolgegeschäft nahm ich ihm weg. Er war eben nur Schweizer.

Noch heute schwillt mir der Kamm, wenn ich an die Überheblichkeit der dummen Zwerge zurückdenke.

1971 verließ ich den Zwergstaat und ging nach Frankreich.