Herman Josef AbsHermann Josef Abs war nicht nur Generaldirektor der Deutschen Bank sondern auch der Generaldirektor der Kreditanstalt für Wiederaufbau, wo ich arbeitete.

Abs war ein Mann, der zuerst den Nazis diente und dann zur Ikone der Nachkriegszeit wurde, der zum  Bankier des Wirtschaftswunders aufstieg und die Ansprüche der NS-Opfer herunterhandelte, der nie eine Autobiographie schrieb, weil er meinte, "zuviel über andere zu wissen", während andere zuwenig über ihn wußten.

In den Kellern der Reichsbank schwollen die Goldbestände ab 1942 an. Der neue Reichtum der Nazis kam aus den Vernichtungslagern im Osten. Dort sammelte SS-Hauptsturmführer Bruno Melmer im geheimen Auftrag das Gold ermordeter Juden ein. In Auschwitz stand die Schmelze direkt neben den Verbrennungsöfen. Münzen, abgerissener Schmuck, abgenommene Eheringe, herausgebrochene Zahnfüllungen verwandelten sich in makellose Goldbarren.  Das Edelmetall ging weiter an die Degussa, wo man es in handelsübliche Barren umschmolz und in die Reichsbank brachte. Die Herkunft war den Barren nun nicht mehr anzusehen.

Abs übernahm das Ressort Ausland, nachdem er Ende 1937  in den Vorstand der Deutschen Bank berufen worden war. Das blieb sein Aufgabengebiet bis zum Ende des Naziregimes.

Abs beherrschte mehrere Fremdsprachen und reiste mindestens die Hälfte seiner Arbeitszeit durch Europa. Die Bank brauchte einen wie ihn, da immer mehr Ausland zu Inland wurde. Österreich wurde "angeschlossen", die Tschechoslowakei "zerschlagen". Die Deutsche Bank baute eine Handelsachse von Berlin über Wien, Böhmen, Sofia bis nach Istanbul. Auf dem feien Goldmarkt der Türkei ließ sich Gold mit Gewinn verkaufen.

Die Deutschen waren auf Gold angewiesen, besonders im Handel mit neutralen Staaten, die die Reichsmark nicht akzeptierten. Sie brauchten es für den Aufbau der deutschen Kriegsmaschinerie. Und Gold war rar. Wer im Krieg mit Gold handelte, benutzte die neutrale Schweiz als Drehscheibe. Und nur jenes Geldinstitut, das am Bankenplatz Zürich einen Unterhändler mit Schweizer Paß hatte, konnte noch Gold transferieren, nachdem sich die Türkei 1944 gegen Deutschland gestellt und die Niederlassungen deutscher Banken geschlossen hatte. Hermann Josef Abs hatte einen solchen Mann in seiner Abteilung , von Beginn an: Alfred Kurzmeyer, Generalbevollmächtigter der Deutschen Bank im Rang eines Direktors.

Abs am PultIn dem Depot, das Abs´ Partner Kurzmeyer bis zum Ende des Krieges für die Deutsche Bank in Zürich verwaltete, lagerten 323 kg Gold. Das Gold dabei war, das von ermordeten Juden stammte, war möglich aber nicht nachweisbar. Einen Beweis, daß Abs im Bilde war, konnte nie erbracht werden. Unbestritten ist jedoch, daß führende Bankiers wie Abs wußten, woher der seit 1940 plötzlich angehäufte Goldbestand der Reichsbank sonst noch stammte, mit dem auch die deutschen Geschäftsbanken handelten: Die Schätze waren Beutegold aus den Notenbanktresoren besetzter Länder - aus den Niederlanden, aus Belgien, aus Frankreich. Abs machte gute Geschäfte, als er im Herbst 1940 staatliche Auslandsanleihen mit Beutegold zurückkaufen sollte, um für das Reich Schulden abzulösen.

Das von Kurzmeyer verwaltete Depot der Deutschen Bank in Zürich wurde 1945 von der Schweiz eingefroren. Abs verhielt sich recht merkwürdig. Als die Deutsche Bank später darüber wieder verfügen durfte, sträubte sich Abs gegen die nahliegende Idee, das Gold zu verkaufen. Noch 1956 erklärte er, man soll diese "Depots ruhig liegen lassen". Vier Jahrzehnte lang hielt sich die Deutsche Bank an diese ökonomisch unvernünftige Weisung des Muster-Ökonomen Abs, zahlte an die depotführende Bank in der Schweiz brav Verwaltungsgebühren, ohne mit dem Gold auch nur eine Mark zu verdienen.

Erst 1995 n, ein Jahr nach Abs´ Tod, verkaufte die Deutsche Bank das Gold für 5,6 Millionen Mark - und schenkte den gesamten Erlös zwei Jahre später jüdischen Organisationen - eine Geste aus der Ungewissheit heraus.

Zu den Registern im Bankengeschäft der Nazizeit gehörte die Abwicklung von "Arisierungen", also der Zwangsverkäufe von Firmen, die im Besitz von Juden waren. Die Banken weiteten ihr Geschäft durch Kredite für "Arisierungskäufe" aus. In der eigenen Branche ist die Deutsche Bank dem Auftrag des NS-Regimes besonders eifrig gefolgt. Abs übernahm gleich nach Amtsantritt die "Arisierungen" des Bankhauses Mendelssohn und des Lederproduzenten Adler & Oppenheimer. Daß die Bank sich gegenüber einigen Opfern der "Entjudung der deutschen Wirtschaft" vergleichsweise anständig verhielt, ist unumstritten.

Gewissermaßen im Windschatten der Wehrmacht war Abs wenige Tage nach dem "Anschluß" Österreichs im März 1938 nach Wien gereist, um die Übernahme der Österreichischen Creditanstalt-Wiener Bankenverein, der größten Bank des Landes, in Angriff zu nehmen. Dieses Mal paßte der Expansionsdrang der Deutschen Bank den NS-Oberen überhaupt nicht. Doch am Ende bekam Abs, was er wollte: die Kontrolle über die Creditanstalt und damit ein Sprungbrett nach Südosteuropa. Es sollten noch weitere Gebiete folgen.

Nach dem Kriege hielt sich Abs in der englischen Besatzungszone auf. Die Engländer stellten sich schützend vor ihn. Sie wollten Abs für das neugeschaffene German Bankers Advisory Board gewinnen. Den Briten war Abs der richtige Mann für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands. Für die amerikanischen Ermittler allerdings war er der prototypische Rüstungsfinanzier und Kriegsgewinnler. Als Abs 1948 als "unbelastet" entnazifiziert wurde, hatte sich die amerikanische Deutschlandpolitik gedreht: Das Land sollte eine neue Chance bekommen. Und mit ihm der Bankier Hermann Josef Abs.

AbsAdenauerAbs nutzte die Chance. Seine Reputation gründet gerade auf seiner Rolle beim Wiederaufbau - als Vorstandssprecher der Deutschen Bank, als Wirtschaftsberater der CDU-Regierung, als Aufsichtsrat von fast dreißig großen Unternehmen. Seine Assistenten mußten auf Reisen ständig sechzehn Aktenkoffer mit Firmenunterlangen tragen, damit Abs, was er brauchte, jederzeit griffbereit hatte. So entstand der Mythos vom ubiquitären Machtmenschen Abs, der Deutschlands Konzerne aus der Limousine heraus steuerte und sonntags am Konrad Adenauers Rhöndorfer Kaffeetafel saß. Kein Geringerer als David Rockefeller sah in ihm den "führenden Bankier der Welt", ein Ehrentitel, dessen Glanz auf seine Bank abstrahlte.

Im Auftrag Adenauers führte Abs von 1951 bis 1953 die Verhandlungen mit 38 Gläubigerländern des Deutschen Reiches über die Frage, welche Schulden die Bundesrepublik übernehmen werde. Im Ergebnis sah Abs später den größten Triumph seiner beruflichen Laufbahn.

Tatsächlich gelangt es ihm, die Ansprüche auf rund vierzehn Milliarden Mark zu halbieren und die Bundesrepublik damit kreditfähig zu machen - eine Voraussetzung für das Wirtschaftswunder.

Die Grundlage dieses Erfolges war freilich eine rigide Haltung gegenüber allen NS-Opfern. Großzügige Wiedergutmachungsregelungen mit Israel schienen Abs abwegig. Ohne Rücksprache mit dem Bundeskanzler machte er den Israelis außerhalb der Londoner Verhandlungen ein ein wenig geschätztes Angebot. Eine Eigenmächtigkeit, die sein Förderer Adenauer erst Jahre später öffentlich tadeln sollte.

Abs wollte die Republik kreditfähig machen, Adenauer salonfähig. Daß beides zusammenhing, mußte der Kanzler dem Herrn über Soll und Haben erst näher bringen.

In London freilich setzte Abs sich durch: Vorkriegsschulden des Reiches zahlte die Bundesrepublik, Reparationen aber erst nach einem Friedensvertrag - den es jedoch nicht geben sollte und nie gegeben hat.

Daß er die Opfer des Nationalsozialismus bei den Londoner Verhandlungen kurzhielt, wurde ihm allerdings nie als Ablehnung von Wiedergutmachungen ausgelegt; Vielmehr als Versuch eines Bonner Gründervaters, die Republik erst mal auf die Beine zu bringen. 

KfWgruendung

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Mit Hermann Josef Abs wurde 1945 die Kreditanstallt für Wiederaufbau (KfW) gegründet. Er war damit gleichzeitig Generaldirektor der Deutschen Bank und der KfW.

 

Er buchstabierte seinen Namen: A wie Abs, b wie Abs und s wie Abs.