Leben in den 50er Jahren

Das Leben ging weiter. Am 5. Juni 1947 wurde der Marschallplan in Kraft gesetzt. Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet. Das Dritte Reich wurde durch die Bundesrepublik ersetzt. Einen Friedensvertrag gab es nicht, was dazu führte, dass Deutschland ein Protektorat Amerika´s wurde.

Onkel Horst war aus der Gefangenschaft in Rusland zurückgekehrt. Er mietete ein kleines Zimmer im Kreuzviertel, hatte einen herrlichen Ledermantel und einen großen schwarzen Radioempfänger. Für 5 DM kaufte er sich ein Fahrrad und vertrieb die Textilien von Kluxen über Land als ambulanter Kaufmann. Seine Karriere als Architekt hatte er aufgrund des Krieges aufgeben müssen.

  • Die 50ger Jahre waren etwas üppiger. 1950 erschien der erste Farbfilm "Schwarzwaldmädel".
  • Der Mercedes 300 kam auf den Markt und Gene Kelly wurde berühmt mit seiner herrlichen Interpretation: "Singing in the rain".
  • 1953, ich war 10 Jahre alt, verfolgte ich die Krönung der englischen Königin Elizabeth II. Es war für mich der erste Moment wo ich Zuneigung zur weiblichen Schönheit faßte. Die Krönung wurde von mir eifrig im "Quick" Magazin, was wir damals regelmäßig bezogen,  verfolgt.

Wir wohnten bereits auf der Sternstraße 29 in Münster/Westfalen und spielten im Hinterhof mit den Kindern des Gebäudes. Bernd Laukamp, den ältesten Sohn unseres Hauswirtes, fand ich zufällig später in Köln wieder. Ich hatte in Paris seine ehemalige Freundin aus Norwegen kennen gelernt. Sie fragte nach ihm. Was für ein Zufall!

  • Es begann das deutsche Wirtschaftswunder. "Made in Germany" war eine Qualitätsmarke geworden. Der Aufschwung basierte vornehmlich auf dem Export von technologischen Spitzenprodukten. 1954 wurde die Mercedes Sport-Limusine gebaut. Sie sollte sogar ein Investitionsobjekt darstellen.
  • 1955 ging Marilyn Monroe der Rock hoch. Ich setzte meine Schulausbildung im Johanneum-Kolleg in Wadersloh fort. Diese Schule sollte eigentlich der Formierung von Priestern dienen. Es war für mich eine verfängliche Sache, wie sich später herausstellte.
  • Im gleichen Jahre sendeten die Russen den Sputnik ins Weltall. James Dean, der die Nachkriegsjugend verkörperte, kam in einem Autounfall ums Leben. Bill Haley kreierte die "Nationalhymne" des Rock´ n Roll: "Jailhouse Rock".

Trotz meiner Abgeschiedenheit im Kloster von Wadersloh bekam das Leben einen ganz anderen Schwung. Die autoritären Systeme in der ersten Hälfte des Jahrhunderts waren überwunden.

  • Bundeskazler Konrad Adenauer bastelte in  Deutschland mit Robert Schumann am Aufbau Europas.
  • 1957 im gleichen Jahre der Gründung der Montanunion kreiste das Hula-Hoop Fieber. Jeder Jecke wand sich wie eine aufrecht stehende Schlange und ließ den Plastikreifen um seine Hüfte kreisen.

Nach vier frommen Jahren verließ ich Wadersloh. Aus dem Bestreben, mich zum Priester zu erziehen, wurde nichts. Auf dem Send von Münster versuchte ich mit wenig Glück ein hübsches Mädchen für mich zu gewinnen. Ich erhielt eine volle Abfuhr. Damit flog der "Priester" über Bord, oder anders gesagt: Die Ambition Priester zu werden wurde völlig ausgemerzt.

Im übrigen drehte ich mich in meinen moralischen Grundsätzen um 180°, verkonsumierte Mengen von Alkohol und rauchte ca. 30 Zigaretten am Tag. Gottesdienste wurden nur soweit besucht als es Pflicht war. Sie störten mich zwar nicht, fand sie aber ziemlich debil. Letztlich trat ich jedoch  aus dem "Verein" aus. Die Tatsache mir meine eigene Urteilskraft rauben zu wollen war mir zuwider. Mein Leben konnte ich selber strukturieren. Dazu brauchte ich keine Kirche.