Auswanderung nach Kanada

 

Zwar hatte ich versucht 1972 in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Mein Versuch mich beruflich neu zu orientieren war dreimal gescheitert. Meine Freunde hatten mich verlassen. Ich musste mich damit abfinden, dass sich die Welt für mich geändert hatte. Ich war um eine Entäuschung reicher geworden.

Diese miese Erfahrung erfaßte mich voller Groll. Ich dachte nicht daran mich zurückentwickeln zu wollen und kehrte Deutschland erneut den Rücken.  Im März 1973 wanderte ich nach Kanada aus.

Im Flugzeug begleitete mich ein junges Mädchen. Sie war für Young & Biggins unterwegs. Als sie erfuhr, daß ich nur ein einfaches Hinreiseticket gebucht hatte, wünschte sie mir von ganzem Herzen allen Erfolg und schaute mir lange nach als ich mich bei meiner Landung in Toronto von ihr trennte.

toronto

Ich hatte mich gewissermaßen an das Ende der Welt geschleust. Das politische und wirtschaftliche Geplänkel in Europa war mir zu unruhig geworden und sollte mich weiter nicht interessieren. Selbst die Olympischen Spiele, die im August 1972 in München eröffnet worden waren, wurden politisiert und nahmen mit dem arabischen Anschlag ein unerfreuliches Ende.

In Kanada war die Welt anders. Deutschland war weit weg und aus aus der Ferne nur ein wirklich kleines Land, das sich offensichtlich sehr wichtig vorkam.

In Toronto nahm ich mir eine Wohnung auf der Euclid Avenue und versuchte für Keith Realtor Häuser zu verkaufen. Es gab - je nach Mandat - 6 oder 7% Provision beim Verkauf.

Außerdem war ich durch meinen Freund Brian in Toronto sehr mit dem Sohn von Keith befreundet. Ich hatte sogar Gelegenheit mit ihm in einem kleinen zweimotorigen Privatflugzeug über Toronto zu fliegen. Welch ein Erlebnis!

Mein Versuch, Renditeobjekte an deutsche Investoren zu vermarkten, wurde allerdings unversehens durch eine steuerliche Maßnahme der Provinz Ontario zunichte gemacht. Gebietsfremden wurde eine 40%ige Grunderwerbssteuer (Transfertax), zahlbar bei Auflassung, auferlegt. Damit war diese Aktivität mit einem Schlage aus der Welt geräumt.

Alfred1974Im Juni des Jahres 1974 setzte ich mich daher  kurzerhand in mein Auto und fuhr nach Montréal. Dort traf ich auf Alfred Stehr.  Mit ihm teilte ich ein Büro auf der St. Catherine Street in der Nähe des Alexis Nihon Plaza. Er ließ mich gegen 10% meiner Provision unter seiner Lizenz arbeiten, da ich nach kanadischem Recht noch nicht zur Maklertätigkeit berechtigt war.

Zwar arbeitete Alfred ausschließlich im lokalen Markt, obwohl er gern international im Immobiliengeschäft tätig gewesen wäre. Der lokale Markt wiederum interessierte mich nur wenig. Mein Interesse ging eher dahin Immobilien an Gebietsfremde zu verkaufen. So arbeitete jeder für sich angesichts dieser unterschiedlichen Zielsetzung.

Wir blieben weiterhin gute Freunde. Er besuchte mich sogar nach 20 Jahren (2003) einmal in meinem Restaurant in Paris. Die Wiedersehensfreude war groß.

Durch den Notar Robert Brabander stieß ich auf Karsten Stahmer, der sich ausschließlich mit deutschen Investoren befaßte. Er war auch nach Montreal gekommen, da ihn die steuerlichen Maßnahmen in Ontario ebenfalls verjagt hatten. Wir realisierten eine erste Transaktion im Verkauf eines Luxusgebäudes von 79 Wohneinheiten auf dem Boulevard du Ruisseau in St. Laurent, im Norden Montreals. Provision: 35 000 can$.

CroissantduRuisseau 

Bd. du Ruisseau, St. Laurent - 1982

 

Weitere Transaktionen folgten. Im Oktober 1975 verkauften wir im Gemeinschaftsgeschäft mit dem Makler Greichgauer in Mannheim drei Gebäude mit einem Schlag.  Greichgauer war schon ein eigenartiger Typ. Er verkaufte über die in Montreal ansässigen Makler sehr viel und garantierte den Käufern sogar die Mieteinnahmen der gekauten Objekte. Er kam häufig nach Montreal geflogen und reservierte für sich jeweils die ganze Erste Klasse, da er gern allein mit seiner Manschaft sein wollte. Wir wunderten uns  nur bis wir eines Tages erfuhren, dass er für zwei Jahre wegen Betrugs im Gefängnis gelandet war.

Trotz der garantierten Mieteinnamen gab es im Nachhinein riesige Schäden. Die Mieten gingen nicht plangemäß ein, die garantierenden Gesellschaften gingen Pleite und die Käufer schauten auf einen riesigen Verlust. Ich traf bei dieser Gelegenheit den Investor Müller-Söhnke. Er bat mit zu retten was zu retten sei. Das tat ich denn auch und erhielt von ihm nachfolgendes Schreiben:

MllerShnke

 

Müller-Söhnke hatte seine ganze Rente in die Immobilie investiert. Es war traurig mitzuerleben, was für verhehrende Auswirkungen sich für ihn ergaben. Er zog sich in eine kleine Mansardenwohnung zurück und wurde von seiner Tochter betreut.

 

Als wir dann in eine Hochzinsphase kamen - die Zinssätze kletterten für Immobilienkredite bis auf 13% - flüchteten wir uns in den Verkauf eines Bar/Salons in Pointe Claire, dem "Maples Inn". 

Maples

Stahmer realisierte sein Schabernackstückchen in Zusammenarbeit mit Notar Brabander und beide hauten Ingo Höppner, einen Wirtschaftsprüfer in Düsseldorf, kräftig übers Ohr. 

Sie verwendeten sein Gelddepot zweimal und verkauften ihm nur die Hälfte der Immobilie. Die andere Hälfte steckte sich Stahmer in die Tasche. Im Land der Holzfäller ließ sich schon was machen.

Im September 1979 trennte ich mich von Stahmer. Ich hatte das "Maples Inn" von jährlich 130 000 kan$ auf über 600 000 kan$ Umsatz gebracht. Stahmer war nun sehr gierig und wollte sich ebenfalls die ganze Verwaltung einverleiben. Zusammen mit Peter Strasser, einem Kanadier und dritter Partner in der Gesellschaft, verkaufte er sich die Managementgesellschaft, sodaß ich plötzlich völlig enteignet dastand. 

Obwohl sich die beiden mit Hilfe des Anwalts Asselin, einem Freund von Brabander, dies hübsch eingefädelt hatten, war jedoch die Transaktion illegal. Es fehlte die Unterschrift des "Treasurers". Und das war ich! So holte ich mir kurzerhand meinen Anteil über das Gericht wieder zurück.

Ich nutzte allerdings die Gelegenheit, mich auszahlen zu lassen. Ich hatte kein Zutrauen zum Showgeschäft und glaubte nicht an seine Langlebigkeit.  Daher machte ich weiter im Verkauf von Farmen. Ich tat  gut daran, mich rechtzeitig abzuseilen. Später erfuhr ich von Alfred Stehr, daß Stahmer den Schuppen hatte abbrennen lassen. Stahmer versuchte sich mal wieder einer Pleite -seiner fünften- zu entziehen.

Das gängige Immobiliengeschäft litt weiter unter der Hochzinsphase. Im Farmgeschäft stieß ich allerdings auf eine Marktnische, die alles Vorherige in den Schatten stellte.