1972: Reintegration in Deutschland

FfmAllein

 

1972 versuchte ich in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Es war vergebens.

Ich suchte meine Freunde in Franfurt am Main auf. Wir feierten unser Wiedersehen. Doch am Ende nahmen sie mehr und mehr Abstand von mir. Meine Art und Ansichten mussten ihnen fremd erscheinen. Unbemerkt hatte ich im Ausland eine geänderte Mentalität angenommen ohne es bemerkt zu haben. Ich war nicht mehr typisch deutsch.

Meine Freunde verließen mich alle. Ein Bekannte von mir sagte mir wortwörtlich, dass sie nicht mehr mit mir verkehren wollte, da ich mich verändert habe. Ich saß in ihrem blauen Sessel und traute meinen Ohren nicht.

Lediglich Olaf Lüders, mit dem ich früher Tennis gespielt hatte, empfing mich in seimen Laden, schaute mich lächelnd an und sagte, dass ich mich sichtbar verändert habe, ich sei aber bei ihm immer willkommen.

Wie dem auch sei. Ich kümmerte mich nicht mehr um meine verlorenen Freunde. Man findet immer wieder neue.

Zunächst begann ich bei der Deutschen Leasing in Frankfurt. Diese Gesellschaft hatte gerade mit einer anderen Leasinggesellschaft fusioniert und versuchte ihre organisatorischen und personellen Probleme zu regeln. Ein sogenannter Herr Sturm sollte den Außendienst verlassen. Seinen Platz sollte ich übernehmen. Herr Sturm ging aber nicht, da er auf eine angenehme Abfindung pochte, die er bis dato nicht erhalten hatte. 

Hinzu kam die Arbeitsweise der Deutschen Leasing. Nach der Fusion waren die Gesellschaften noch nicht. zusammengewachsen. Dokumente waren schlecht aufzufinden und wurden zeitweise sogar wieder aus dem Papierkorb gefischt. Berichte sollten mit der Hand geschrieben werden, da es nicht ausreichend Sekretärinnen gab. Ich arbeitete meine Probezeit ab und verließ die Deutsche Leasing wieder. Die Gesellschaft war noch nicht geworden und sollte sich erst im Laufe der kommenden Jahre etablieren.

Nun hatte ich mich während dieser Zeit mit einem Mädchen angefreundet. Marita und ich gedachte sogar uns zu verheiraten. Wir verlobten uns sogar und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Sie amüsierte sich mit meinem Kraftfahrzeug und raste damit ohne Führerschein durch Frankfurt. Ich beseitigte diesen misslichen Zustand, indem ich sie darauf trimmte ihre Führerscheinprüfung zu bestehen. Als Annerkennung für ein erfolgreiches Bestehen schenkte ich ihr ein kleines Auto. Sie war ein sehr lebensfreudiges Mädchen. Das gefiel mir.

Die nächste Etappe meiner beruflichen Anstrengungen begann alsdann bei der First National City Bank in Frankfurt. Die Bank versuchte an die Börse zu gelangen. Man bat mich dafür ein Procedere auszuarbeiten. Dies tat ich denn auch. Der Direktor der Abteilung - ein Herr Eugen Roth - war begeistert von meiner Arbeit, setzte seinen Namen auf den Bericht und reichte ihn dem Vorstand ein. Man kann sich vorstellen, dass ich über dieses Plagiat hoch erzürnt war. Ich stellte ihn zur Rede und erklärte ihm klar und deutlich, dass es sich hier um Diebstahl handele und er darüber hinaus nicht in der Lage sei analytisch zu denken geschweige denn in der Lage zu sein einer derartigen Bericht zu erstellen. Ich hatte es aber versäumt bis in den Vorstand der Bank vorzudringen. Folglich war die Antwort die fristlose Kündigung.

Marita2Ich war recht niedergeschlagen und empfahl Marita mich nach diesem Misserfolg zu verlassen und jemand anderen zu finden, mit dem sie auf eine bessere Zukunft hoffen könnte. Zu meiner Verwunderung reagierte sie ganz anders. Sie wollte bei mir bleiben. Ich war sprachlos.

Nach einer Arbeitslosikeit von einem Monat fand ich endlich Aufnahme bei der Bank of Tokyo in Düsseldorf. Kaum hatte ich mich in Düsseldorf einquartiert kam Marita mit ihrem Auto nachgefarhen und erreichte mich zu später Nachtstunde. Sie brachte eine kleine weiße Maus mit, die man ihr geschenkt hatte. Zu allem Überdruss hatten wir jetzt auch noch Tierhaltung. Hin und wieder entkam die Maus aus ihrem Käfig. Sie wieder einzuschnappen war ein höllisches Unterfangen.

Marita und ich, wir waren zu Beginn in getrennten Wohnungen untergebracht. Ihre Wirtin, eine ältere Dame, war nicht gerade freundlich mit uns. Ich empfahl der älteren Dame nicht ewig im Fenster zu liegen und sich um ihren Kram zu scheren. Marita wurde daraufhin gekündigt.

Nun, alles war ohnehin nur vorläufig geplant und Marita und ich wir bezogen eine Wohnung in Düsseldorf-Rath. Sie hatte einen Job als Verkäuferin in der Pelzabteilung vom Kaufhof gefunden. Jeden Morgen fuhren wir nun gemeinsam los. Ich setzte sie beim Kaufhof ab und fuhr weiter zur Bank of Tokyo in der Schadowstraße von Düsseldorf - gerade mal 150 m vom Kaufhof entfernt. Marita war schon ein Verkaufsgenie. Sie schloss fast jeden Tag mit 5 000 DM bis 6 000 DM Umsatz ab, während ihre Kolleginnen maximal 1 500 DM schafften. Sie wurde von ihrem Abteilungsleiter mächtig gelobt. Sie erwiederte ihm aber: mehr Geld sei besser. 

Marita folgte mir auch auf den Flohmarkt in Frankfurt. Ich baute mir dort zum Wochenende einen Stand auf und verkaufte antike Möbel, Elektrogeräte u. ä., um meine Bargeldposition aufzubessern. Es war Sommer. Ich ließ Marita am Stand und besorgte uns was zu trinken. Als ich zurückkam drückte sie mir einige Geldscheine in die Hand. "Die Leute kommen nicht wegen deiner Ware, sie kommen wegen mir," sagte sie lachend. So war es auch. Man fand sie äußerst attraktiv. Ihre vollen Brüste liesen jeden Freiher lechzend um sie herumschleichen. So hatten wir bis mittag fast alles verkauft. Ich packte meine Sachen und wir unternahmen den Nachmittag eine Rheintour, wo wir unser verdientes Geld und noch mehr verprassten. Es war ein Heidenspaß mit ihr.

Das Arbeiten bei der Bank of Tokyo war alles andere als angenehm. Es gab kommunikative Schwierigkeiten mangels der Deutschkenntnisse der Direktoren. Ferner hatte die Bank keine eigenen Spargelder. Angesichts ihrer Kreditvergabe musste sie sich immer wieder neu auf dem Geldmarkt eindecken. Den Händlern gefiel das weniger. Sie erwarteten auch, dass mal ihre Positionen abgedeckt würden, was die Bank jedoch nicht konnte. Als das Geld eines Tages knapp wurde, deckte ich 5 Mio DM mit 17% Zinsen ab. Wir befanden uns zwar in einer Hochzinsphase, aber 17% war den Japanern zuviel. Man hatte die Bank einmal richtig hängen lassen. Dieser hohe Zinssatz war für mich aber das Aus.


Wieder musste ich neu umdenken. Ich stellte fest, dass Investitionen in Kanada eine Euphorie gebildet hatten. Es war eine neue Welt entstanden, die mit wirtschaftlich überdurchschnittlichem Wachstum und hohen Renditen Investoren anzog.

Ich fuhr nach Bonn, um meine Aufenthaltgenehmigung zu beantragen. Dies ging wiederum nicht ganz ohne Schwierigkeiten. Eine ältliche Sekretärin im Immigrationsbüro stellte die reinste Blockade dar. Deutsche Sekretärinnen sind mir angesichts ihrer Arroganz ohnehin ein Greuel.

Nun hatte ich aber Glück. Ich traf den kanadischen Amtsvorsteher im Aufzug. Wir unterhielten uns freundlich und hatten so Gelegenheit Bekanntschaft zu machen. Beim Verlassen des Fahrstuhls sah ich ihn in dasselbe Büro gehen, in das ich beordert war. Ich merkte sofort er war der Chef.

Als nun die besagte Sekretärin wie eine drohende Lawine auf mich zukam, mir erklärte, dass ich einen Termin vereinbaren müsse, schwoll mir der Kamm. Ich fuhr sie an un erlärte ihr, dass mich der Officer erwarte. Sie schreckte zusammen und führte mich in das Büros ihres Chefs. Als er mich sah und bermerkte "Ah, Sie sind es.", nahm sie wirklich an, dass er mich erwartet hatte. So bekam ich mein Gespräch, das erfolgreich mit der Einreisebewilligung endete.

Nun waren meine Segel wieder gen Ausland gesetzt. Marita und ich, wir trennten uns schweren Herzens voneinander. Es blieb uns keine andere Wahl.