Horst

Onkel Horst

Onkel Horst ist der Bruder meiner Mutter. Er wurde kam 13. November 1923, also 10 Jahre nach der Geburt meiner Mutter, auf die Welt und wuchs in Reichenbach auf.

In jungen Jahren wünschte er sich, Architekt zu werden. Allerdings vereitelte ihm der Krieg seine Ausbildung. Er diente als Soldat und kam sogar in russische Gefangenschaft.

Er kehrte jedoch kurze Zeit nach dem Krieg aus der Gefangenschaft zurück und wurde von seinen Eltern, die derzeit auf die Ketteler Straße in Münster/Westfalen gezogen waren, KromerHorstaufgenommen. Die Freude war groß. Ihr Sohn war lebend heimgekert.

In Münster mietete er sich ein Zimmer, kaufte sich einen stattlichen Ledermantel und besaß im wesentlichen ein Radio besserer Bauart. Beruflich war es um seinen Architektenwunsch geschehen. Alles was man ihm vorschlug war einige Textilien für die Firma Kluxen zu verkaufen.

Es war alles anderes als ein beneidenswerter Start. Mein Onkel engagierte sich jedoch für Kluxen, kaufte sich für 5 DM - es gab ja wieder Geld - ein Fahrrad und zog als ambulanter Kaufmann über Land und versuchte seine Textilien, wie Socken, Blusen, Schürzen usw. an den Mann oder an die Frau zu bringen.

HochzeitHorstHedyEr entwickelte dieses Geschäft stetig. Vom Fahrrad wechselte er über zum Motorrad. Er kaufte sich eine "Rixe" mit Knüppelschalthebelung. Zu Einweihung seiner technischen Errungenschaft nahm er mich auf dem Mortorrad einmal mit. Ich saß direkt vor ihm - zwischen Fahrersitz und Benzintank -  und feuerte ihn an, immer schneller zu fahren. Er drehte dann auch kräftig auf, bis mir fast die Sinne schwanden. Meine große Klappe hatte ich schnell bereut.

Onkel Horst war auch der Erste in der Familie, der sich ein Auto zulegte. Es war ein Opel P4. Ich selbst war in meiner technischen Ausrüstung bereits zum Fotoapparat gelangt. Der triumphale Erwerb des Autos konnte daher sofort bildlich festgehalten werden.

HorstuHediSkiSeine Autos wurden immer größer bis er schließlich von zwei Damen, die auf dem besten Wege der Pleite waren, ein Geschäft auf der Bahnhofstraße in Münster kaufte. Man forderte 40 000 DM. Mein Onkel hatte das Geld und investierte es in die kommerzielle Sesshaftigkeit. Er hatte die Zeichen seiner Zeit recht früh erkannt und etablierte sich in Münster.

Wir konnten über die Geschwindigkeit seines Vorankommens nur staunen. Die Tatsache mit welcher Eleganz er alle Familienmitglieder und Bekannte finanziell überholte fand meine volle Bewunderung.

Darüber hinaus verheiratete er sich mit Hedi Lehnert aus Düsseldorf. Es war nicht nur eine Frau, die sich in der Textilien - Branche auskannte - sie hatte nämlich Modeschneiderin gelernt. Sie war darüber außerordentlich hübsch - eine wirklich elegante Erscheinung.

beiMichaelsHochzeitIch möchte sie gewissermaßen als die graue Eminenz des Geschäftes bezeichnen. Sie regelte im wesentlichen den Einkauf und bewies offenbar ein geschicktes Händchen in der Auswahl des Sortiments. Wie mein Onkel mir einmal anvertraute, hatte sie ihn gelegentlich aus manchen schwierigen Situationen geholt. Ich sollte nur nicht denken, daß sein Wohlstand ohne Schwierigkeiten zu erringen sei. Summa Summarum kann jedoch festgehalten werden, daß es durch ein stetig geschicktes Marketing - vor allem im Einkauf - nicht nur gelang das Geschäft zu behaupten sondern auch noch zu vergrößern.

Mein Onkel liebte Hedi sehr. Mein Bruder und ich trafen ihn einmal ganz allein auf dem Prinzipalmarkt - nicht unweit von seiner damaligen Wohnung auf der Steinstraße in Münster. Er war sehr deprimiert und vertraute uns an, daß er die Eröffnung seines zweiten Geschäftes aufgeschoben habe, da sich Hedi beim Schifahren ein Bein gebrochen hatte. Erst im Laufe der Zeit wurde mir bewußt, daß neben allen materiellen Errungenschaften seine Familie höchste Priorität besaß.

Nun die Entwicklung seines Geschäftes ging weiter. Er eröffnete ein zweites Geschäft in HorstHedy1989ausgesprochen guter Lage auf der Ludgeristraße in Münster und vergrößerte es im Laufe der Zeit. Es wurde alsdann von seinem jüngsten Sohn Christian übernommen, dem ich nur einen weiteren positiven Fortgang wünsche.

Mein Onkel feierte am 13. November 2003 seinen 80jährigen Geburtstag. Mein Bruder war zu dieser Feier eingeladen. Er teilte mir anerkennend mit, daß unser Onkel auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken konnte. Wir waren stolz auf ihn. Auf der Feier waren ebenfalls Architekten eingeladen. Offensichtlich begleitet ihn der Schmerz eines nicht erfüllten Traumes seiner Kindheit.

Onkel Horst verstarb im Juli 2011 nach einem erfolgreichen Leben und wurde in der Gemeinde St. Mauritz in Münster begraben:

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RIP

 

Das Geschäft meines Onkels wurde von seinem Sohn Christian übernommen. Elfi Textil