Religion und Kirche

Das Johanneum-Kolleg wurde seinerzeit von den Franziskanern zur Schaffung von Priesternachwuchs geführt. Mit der Lehre Christi konnte ich mich noch anfreunden. Jesus predigte die Nächstenliebe, was revolutionär war. Die geltenden Religionen basierten auf dem Grundsatz: "Zahn um Zahn, Auge um Auge." Liest man den Talmud der Juden oder den Koran der Araber wird der Unterschied schnell ersichtlich. Christenum und Islam entstanden beide aus dem Judentum.

Es fehlten seinerzeit Priester. In einem kleinen Blättchen  "Die große Ernte" vom Mai 1956 wurden einige Zahlen wiedergegeben; z. Beisp. kamen 1860 auf einen Priester 691 Seelen. Im Jahre 1954 waren es dagegen, in erster Linie bedingt durch die Kriegsverluste, 1470 Seelen. Es wurden in den 10 Jahren vor dem Kriege 548 Priester geweiht. Während der fünf Kriegsjahre waren es nur 71 Priester. Kurz, den Weihwasserverkäufern wurde die Arbeit zu viel.

Da sollten meine sportlichen Leistungen für die Schaffung von Nachwuchs herhalten. sport

Vielleicht ist an dieser Stelle einmal zu überlegen, für was wir eigentlich eiferten. Mein Verhältnis zur katholischen Kirche wurde nicht nur durch das Beispiel des durch Gewalt geprägten Verhaltens der Franziskaner zerstört sondern ebenfalls durch meine Beobachtungen der fanatischen und pekuniären Verhaltensweisen der Anhänger verschiedenster Glaubensgemeinschaften. Es ist schon erstaunlich auf welche Weise die katholische Kirche die Lehre Christi in ein Geschäftsmodell verwandelt hat. Dazu nachfolgendes Video:

 

 

Hier Betrachtungen zur Entwicklung:

Abraham hatte zwei Söhne: Isaak und Ismael. Es entstanden so zwei eher feindlich zueinander gesinnte Religionsrichtungen: das Judentum und der Islam.

Aus dem Judentum entwickelte sich das Christentum. Die Evangelisten stellen das Leben und die Lehre von einem gewissen Jesus dar, dessen Muttersprache Aramäisch war und der sich als Christus, das heißt als Messias, verehren ließ und sich vor den Hohen Priestern als "Sohn Gottes", d. h. als "des Menschen Sohn, sitzend zur rechten Hand der Kraft Gottes", bezeichnete, der war als Gotteslästerer nach jüdischem Recht des Todes schuldig. Und wer den Königstitel führte, beging nach römischem Recht ein tadelswürdiges Majestätsverbrechen. Denn ein König war zuerst immer ein militärischer Führer, und einen solchen konnten die Römer in ihrem Reich nicht dulden.

Als Jesus nach dem feierlichen Einzug in Jerusalem im Tempelbezirk predigte erhielt er großen Zulauf. Seine Popularität und sein Auftritt im Tempel konnten, ja mußten die Hohen Priester empören. Den Geldwechslern, deren Tische er umwarf, unterstellte er Gewinnsucht, doch hatten sie die Aufgabe, den Gläubigen aus den verschiedenen Ländern die allein gültige tyrische Währung einzutauschen, in der die gesetzliche Tempelsteuer zu entrichten war. Jesus erschien als Unruhestifter und war den Hohen Priestern wie Kaiphas, Hannas, Joseph von Arimathia und anderen verhaßt. Zu den Hohen Priestern zählte auch Jakobus, der Bruder Jesu, des sogenannten Christus. 

Der Prozeß Jesu war eine Polizeimaßnahme, römisch eine "cognitio extra ordinem" gegen einen verdächtigten und dann geständigen Hochverräter. Nach allen vier Evangelisten (Markus, Mathäus, Lukas und Johannes) antwortete Jesus auf die Frage des Stadthalters Pontius Pilatus "Bist du der Juden König?"  mit "Du sagst es!" (d. h. "So ist es!") Der Beklagte war geständig, und das genügte für kurzen Prozeß. Wäre Pilatus damals nicht in Jerusalem gewesen, so hätte man Jesus vermutlich gesteinigt, wie später Stephanus und Jakobus, jeweils illegal, da die Blutgerichtsbarkeit bei den Römern lag.

Die Tafel über dem Kreuz, der Titulus, verkündete in drei Sprachen das strafwürdige Delikt: "Jesus Nazarenus Rex Judaeorum". Jesus wurde also durch Pilatus hingerichtet, wie es Tacitus, der größte römische Historiker aus der Zeit um 100 nach Christus, formuliert. Diese Formulierung ist genauer als der Wortlaut im Glaubensbekenntnis aller christlichen Konfessionen: "gekreuzigt unter Pilatus".

Der Spruch des Pilatus war ein Gefälligkeitsurteil gegenüber den Hohen Priestern, denen Jesus verständlicherweise ein Ärgernis war. Die Römer haben sich immer und überall zugunsten von "law and order" mit der provinzialen Oberschicht gut gestellt - nicht anders Pilatus.

Die Kreuzigung Jesu war eine unter Tausenden, zeitgenössisch gesehen eine Bagatelle. Welthistorisch bedeutsam wurde sie erst unter Nero durch die Mission des Paulus. So wie er suchten später auch die
Evangelisten einen Modus vivendi unter den Römern. Sie benötigten deren Schutz gegen die sie verfolgenden Juden.

Was wäre geschehen, wenn Pilatus Jesus begnadigt hätte? Es steht außer Zweifel, daß der Statthalter befugt war, Jesus als irregeleiteten Propheten des Landes zu verweisen, ihn in einen Steinbruch zur Zwangsarbeit zu schicken oder selbst ihn freizusprechen. Der Opfertod Jesu für die Sünden der Menschheit, Auferstehung und Himmelfahrt hätten bei einem derartigen Urteil nicht stattgefunden. Da in diesen Ereignissen für Paulus das Wesen der Frohen Botschaft lag, hätte es das durch ihn geprägte und verbreitete Christentum nicht gegeben. Sicherlich hätte eine Gemeinde von Jesus-Gläubigen neben den übrigen jüdischen Sekten in Galiläa eine Zeitlang fortbestanden. Daß sie die Jahrhunderte überdauert hätte oder gar zu einer Weltreligion aufgestiegen wäre, ist nicht anzunehmen.

Wahrscheinlich besäßen wir nicht einmal die Evangelien. Denn diese sind in Griechisch verfaßt und setzen die durch Paulus bewirkte Öffnung des Christentums für die griechischsprachige Welt voraus.

Angesichts der religiösen Anziehungskraft der orientalischen Erlösungskulte und der bei den Gebildeten erkennbaren Tendenz zum Monotheismus hätte wahrscheinlich ein anderer Glaube den griechisch-römischen Polytheismus abgelöst. An Alternativen zum Christentum fehlte es nicht in dieser Zeit religiös aufgeladener Stimmung.

Das Umfeld der Passion ist die Lage der Juden in Palästina in den ersten Jahrzehnten unter römischer Herrschaft. Herodes der Große hatte als Klientelkönig der Römer weittestgehend eigenständig regieren können. Nach seinem Tod 4 vor Christus kam es zum Konflikt zwischen seinen Nachfolgern und zur grundsätzlichen Opposition der Frommen gegen die Herodianer, die als Idumäer nichtjüdischer Abstammung waren. Das Volk befand sich in einer religiösen Gärung, in der unterschiedliche Glaubensrichtungen miteinander stritten. Aus dem Neuen Testament kennen wir die Pharisäer, die auf ihre Gesetzestreue stolz waren, die Dadduzäer, die eine Auferstehung der Toten leugneten, die eifernden Zeloten, die politischen Widerstand leisteten und die Jünger von Johannes dem Täufer, der das nahe Weltgericht predigte. Ferner gab es die Samaritaner, die nur den Pentateuch (alexandrinische Bezeichnung für die fünf Bücher von Moses: Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomnium) anerkannten, die Essener, die Gemeinde von Qumran, die Therapeuten und die nicht näher bekannten Caelicoli, die Himmelsverehrer.

Unter der messianischen Bewegung war Jesus kein Einzelfall. Es gab Messias-Gestalten wie Judas, der Sohn des Ezechias, der Sklave Simon, der Hirte Athronges, Judas der Galiläer aus Gamala und andere "Räuber"-Könige, wie sie bei Josephus genannt werden. Josephus spielt damit auf die Gewalttaten dieser Eiferer an, die als Fundamentalisten nicht als Kriminelle zu betrachten sind, da sie keine eigensüchtigen Ziele verfolgen.

Zwar versuchen die Evangelisten historisch sein zu wollen, überliefern jedoch eine Fülle von Angaben, die frommer Legendenbildung entsprechen. Das gilt nicht nur für die Wunderberichte, sondern insbesondere für die Kindheitsgeschichten. Es ist häufig zu beobachten, daß berühmten Persönlichkeiten frühe Jahre phantasievoll hinzuerfunden werden, so seine Geburt in Bethlehem. Anders als die Ereignisse der Jugendzeit vollzogen sich die aus dem Mannesalter vor den Augen vieler, so daß hier eine grundsätzlich verläßliche Überlieferung anzunehmen ist.

Meine obige Darstellung enthält Auszüge aus dem Bericht "Der Prozeß Jesu", verfaßt von Dr. Alexander Demandt, Professor für Alte Geschichte an der Freien Universität Berlin, wiedergegeben in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. April 2004.

 

Es gibt immer Zeiten, in denen wir uns intensiv mit Religionen befassen. Sie haben meiner Ansicht nach viel Unheil angerichtet,Kirchenaustritt Kriege entfacht und wenig Gutes angerichtet. Kirchen sind zu Geschäftsmodellen geworden.

Ich fühlte mich durch die Religion eingeengt und traf die Konsequenz. Am 8. Juli 1987 trat ich aus der Kirche aus. Die Lehre Christi und die Kirche waren zwei verschiedene Dinge. Das Eine hatte mit dem Anderen nichts mehr zu tun.

 

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