Abenteuer Gelsenkirchen

RainerSonnenkönigAm 3. Mai 2007 gelang es mir endlich nach 15 langen Jahren das Restaurant zu verkaufen. Wir hatten zum Schluss alle möglichen Formeln versucht, da wir mehr und mehr von der Konkurrenz kopiert wurden. Das wirkte  sich negativ auf unseren Umsatz aus. Wir versuchten daher durch ein neues Angebot wieder eine Alleinstellung zu erhalten. Das ging jedoch völlig daneben.

Im letzten Moment fanden wir einen Käufer und konnten durch den Verkauf unsere Schulden begleichen, die sich auf 40 000 € aufgehäuft hatten. Außerdem verblieb genug Geld um Nathalie auszuzahlen, die sich zu Beginn mit eingekauft hatte. Es wurde sogar ein Mehrwert erzielt.

Von Frankreich hatte ich aber genug. Man kann dort gut essen aber Geld zu verdienen ist  schwierig.

Ich begab mich wieder nach Deutschland, wo ich glaubte mich auszukennen. Die Zeiten hatten sich aber mächtig geändert. Nach fünfzehn Jahren lag ich in meiner Orientierung total falsch. Meine Absicht bestand darin, mich wieder in Immobilien zu betätigen, konnte aber nirgendwo landen und wusste beim besten Willen nicht, wo ich anfangen sollte.

Am besten kannte ich mich noch in der Gastronomie aus - dachte ich. Ausgerechnet in einer dekadenten Stadt wie Gelsenkirchen musste ich landen. Diese Stadt litt seit 1957 unter der Bergbaukrise und schrumpfte ständig in seiner Einwohnerzahl. Von 400 000 Einwohnern hatte sich die Stadt auf eine alternde Einwohnerzahl von ca. 200 000 in 2007 vermindert. Den einzigen Zuwachs erhielt sie durch einwandernde Türken.

Mit der Übernahme eines Fischrestaurants im Januar 2008 in der Klosterstraße von Gelsenkirchen schrieb ich mein eigenes Todesurteil.

Fassade leicht

Es war ein sehr schönes Restaurant im Zentrum der Stadt. Trotzdem litt es angsichts der abnehmenden Bevölkerung an Umsatzschwund. Hinzu kam, dass ich mir ein Personal eingehandelt hatte, dass die Hälfte des Umsatzes verschlang und wegen seiner langjährigen Tätigkeit nicht gekündigt werden konnte.

Ich versuchte daher die Flucht nach vorn und glaubte mit einer Fernsehwerbung den Verkauf ankurbeln zu können. Ich ludRach1 Christian Rach, den Restauranttester, ein. Er verzeichnete damals hohe Einschaltquoten beim Fernsehsender RTL.Einige Jahre später allerdings erlebte er seinen rasanten Abstieg.

Er kam tatsächlich. Filmte alles Mögliche, verpasste meinem Restaurant einen neuen Anstrich. Immerhin konnte er gratis bei mir filmen. Allerdings ahnte ich Böses, denn die Chemie stimmte nicht.

So kam es denn auch wie es kommen musste. Im Februar 2009 erschien die Sendung. Statt mich zu fördern ritt er mich in Grund und Boden, so dass ich mein Restaurant im März 2009 schließen konnte. Ich meldete Insolvenz an, um mich vor dem Schuldenberg zu retten. Meine acht Angestellten waren  hiermit gekündigt und standen auf der Straße.

Ich selber stand ebenfalls auf der Straße. Mir kam die Idee, bei dieser Gelegenheit einmal zu testen wieviel Familie und wie viele Freunde ich hatte. Das Ergebnis blieb nicht aus. Es war niemand mehr da. Mein Schwager Peter Felsmann lud mich zum Essen ein, um mir mitzuteilen, dass er für mich nichts tun könne. Onkel Horst, der Bruder meiner Mutter, versprach mir 2 000 €, die nie ankamen. Meine Freunde erfanden alle ein Problem, um sich von mir abzuseilen.

So schlenderte ich denn ganz allein durch die Straßen ohne zu wissen wie es weiter gehen sollte.

Meine Familie hatte sich in Genf/Schweiz niedergelassen. Nathalie nahm endlich einen Job an und musste die Kinder ernähren. Ihre Großmutter hatte ihr eine feudale Wohnung von 140 m² Wohnfläche zur Verfügung gestellt. Die ganzen Jahre hatte sich alle Welt auf meine Kosten ausgeruht. Jetzt war das zuende.

Außerdem war ich jetzt bekannt wie ein bunter Hund - wenn auch nicht in positivem Sinne. Obwohl ich nach Düsseldorf umzog, nichts änderte sich daran, dass man mich ansprach, man habe mich im Fernsehen gesehen. Großartig - ich erntete Spott und Häme und war der Versager erster Klasse. Selbst der größte Idiot hatte nun mal die Gelegenheit sich für etwas Besseres zu halten und auf mich spöttisch herabzublicken.

Es liegt aber nicht in meiner Mentalität den Duckmäuler zu spielen. Ich wartete erst einmal ab und veröffentlichte am

4. Dezember 2016 den Kommentar: DIE ZEIT DANACH: