Endlich war ich das Restaurant los. Es konnte ein neuer Start unternommen werden. Wir hatten ziemlich unseren Preis erreichen können, sodass ausreichend Kapital vorhanden war. Wir bezahlten unsere Schulden und Nathalie erhielt ihr eingezahltes Kapital zurück.

Nun bestand keine Möglichket in Frankreich weiterzumachen. Einen neuen Commerce zu kaufen machte keinen Sinn. Außerdem wollte ich wieder ins Immobiliengeschäft zurück, wo ich in der Vergangenheit immer noch die meisten Erfolge erzielt hatte und wo ich mich eigentlich zuhause fühlte. Also fasste ich die Gelegenheit beim Schopf und ging wieder nach Deutschland zurück. Nathalie blieb mit den Kindern in Paris. Die Kinder gingen dort weiter zur Schule.

Ähnlich dem Beispiel eines Freundes schwärmte mir vor mein Geld außerhalb Frankreichs zu verdienen, während die Familie in Paris residierte. So etablierte ich mich wieder in Düsseldorf und hielt Ausschau nach einer neuen Gelegenheit musste aber schnell feststellen, dass ich in den 15 Jahren französischer Gastronomie, sämtliche Ortung verloren hatte. Die Welt hatte sich geändert und die rheinische Mentalität tat ihr Übriges.

Ich versuchte vergebens wieder in den Bausektor hineinzukommen. Sämtliche Möglichkeiten beschränkten sich jedoch auf das reine Maklergeschäft und erschienen mir wenig aussichtsreich.

P1160837

Die Familie siedelte über in die Schweiz. Samuel hatte sein "baccalaureat" bestanden. Er wählte das Ingenieurstudium und schrieb sich bei der Hochschule in Lausanne (EPFL) ein. Nathalie bezog kurz darauf die familieneigene Wohnung in Confignon, ein Vorort von Genf und registrierte Mischa und Vladimir für das neue Schuljahr in der französischen Schule in St. Julien/Frankreich.

Die Wohnung gehörte der Großmutter von Nathalie (Maria Glück). Samuel jedoch bezog ein Zimmer auf dem Campus der Hochschule. Er kam i. d. R. über das Wochenende nach Confignon.

So weit so gut. Es änderte jedoch nichts daran, dass ich immer noch kein Bein auf den Boden bekommen hatte. Alles schien schwierig und wenig erfolgsversprechend. Mir wurde klar, dass ich völlig umdenken musste. Das Internet hatte voll seinen Einzug gehalten und die Geschäftswelt total verändert. Alles Herkömmliche war Schnee von gestern.

Es sollte noch schlimmer kommen. In meiner Not schlidderte ich wieder zurück in die Gastronomie und erwarb im Januar 2008 einen Fischladen auf der Klosterstraße in Gelsenkirchen: "Zum Alten Kloster". Die Dekadenz der Stadt Gelsenkirchen wurde von mir völlig übersehen.  Darüber hinaus waren die Bilanzen frisiert. Erst später musste ich feststellen, dass die Kosten für das Personal allein 50% des Umsatzes ausmachten. Auch konnte ich die Leute nicht kündigen. Sie hatten angesichts ihrer langjährigen Tätigkeit Kündigungsschutz. Diese soziale Vorkehrung sollte mir zum Verhängnis werden.

In dieser desparaten Lage versuchte ich die Flucht nach vorn. Die Kosten konnten nicht reduziert werden. Personal und Miete fraßen mehr als den Ertrag. Außerdem ging der Umsatz langsam aber stetig zurück in Gelsenkirchen. Meine Kundschaft bestand fast nur aus alten Leuten. Sterbefälle und Abwanderung in Gelsenkirchen sorgten für eine stetige Minderung des Potentials.

Rach1

Zu der Zeit machte Christian Rach als "Restauranttester" von sich reden. Er kam aus dem Elsaß, hatte sich in Hamburg mit dem Restaurant "Die Tafel" etabliert und propagierte regelmäßig Restaurantrettung am Fernsehen auf dem Sender RTL. Mangels Kenntnis muss ich zugeben war ich hier auf riesige Dummköpfe gestoßen. Auf meine Einladung erschien Christian Rach eines Tages und stellte mir in Aussicht, den Fischladen zu beleben. Er fing an die Küche zu kritisieren ohne jedoch eine reelle Verbesserung anzubieten. Dann setzte er sich eine Woche daran den Laden zu putzen. Er ließ die Wände streichen, besorgte Bildmaterial in schwarzweiß und ließ eine neues Abzugsgitter installieren. Damit glaubte er die Welt gerettet zu haben, merkte aber, dass der Fischladen nicht so leicht zu steuern war. Also schob er mir den Schwarzen Peter zu, indem er mich hinter meinem Rücken vor der Kamera schlecht machte. Während ich im Restaurant war gab er draußen vor der Kammera seine negativen Kommentare ab. Außerdem musste ich den Laden wegen der Arbeiten zwei Tage lang schließen, was mir einen Umsatzverlust von 6000 € einbrachte.

Im Februar 2009 erschien dann der Film am Fernsehen. Ich wurde in Grund und Boden verdammt. Das war das Ende.Die Kunden blieben nun ganz aus und wurden überdies nicht müde mich zu kritisieren. Ich konnte machen was ich wollte. Der Umsatz schrumpfte um 50%. Das Personal konnte nicht mehr bezahlt weren. In meiner Not zog ich die Reißleine. Ich meldete Insolvenz an.

 Fassade leicht

Da stand ich nun auf der Straße. Ich ging meine Freunde an wie Andreas Oswald, Werner Bitting und sogar meinen Schwager Peter Felsmann. Sie hatten alle Ausflüchte. Bei Andreas war die Mutter gestorten, bei Werner war der Sohn arbeitslos und mein Schwager lud mich zu einem kargen Essen ein, um mir mitzuteilen, dass er für mich keinen Platz habe. Mein Onkel, Horst Kromer, übrigens bot mir 2 000 € an, die er nie zahlte.

Da stand ich nun völlig allein - eine Situation, die mir nur zu vertraut ist. Mein Kapital war verpulvert. Nichts war mehr da.

Ich packte meine sieben Sachen und zog nach Düsseldorf.