Meine Geschwister Jürgen und Rita landeten 1946 mit meiner Mutter in Westbevern nahe Münster, auf dem elterlichen Gehöfft meines Vaters. Meine Großeltern hatten mich bereits 1945 mitgenommen. Wir fanden zusammen mit Berta, der Schwester meines Großvaters, eine Unterkunft auf einem Bauernhof in Neuenhuntorf

NeuenHuntorfPlz26931

Dieses idyllische Nest liegt in der Nähe von Oldenburg und war für mich der Nabel der Welt. Ich spielte im Hof, mit Vorliebe in den Wassergräben, verjagte die Schweine des Bauern und beobachtet wie die Landarbeiter die in der Hunte versoffenen Kühe wieder ans Land zogen. Es gab nicht viel, aber dennoch schneiderte man mir einen neuen Anzug aus Lumpen. Ich suchte mir dazu rote Knöpfe aus. Oma lächelte mich an. Ich mochte sie.

Mein beliebtes Spiel war das Springen auf zwei Brettern im Wassergraben. Sobald das eine durch mein Gewicht unterging, sprang ich auf das andere und wieder zurück auf das Erstere, das, während ich mit dem zweiten versank, wieder aufgetaucht war. Fast jeden Tag kam ich total durchnässt nach Hause. Oma schüttelte nur mit dem Kopf. Diese Spielart sollte ich jedoch, wenn auch in anderer Form, in meinem späterem Leben häufig praktizieren. Der Hang zum Spiel mit dem Risiko war mir wohl angeboren.

 

Neuenhutdorf

 

Das schöne Dasein mit Oma ging allerdings abrupt zu Ende. Eines schönen Tages kam uns eine junge Frau besuchen. Meine Großeltern freuten sich mächtig über ihre Ankunft und widmeten ihr sämtliche Aufmerksamkeit. Ich, der ich doch sonst der Mittelpunkt aller Geschehnisse war, existierte plötzlich nicht mehr. Als meine Großmutter mir darüber hinaus noch mitteilte, daß mich diese Frau mitnähme, schlug es dem Faß den Boden aus. Sichtbar erbost widersetzte ich mich den "Anfeindungen", wie ich es empfand. Großmutter versuchte mich zu trösten: "Es ist doch deine Mutter". Ich wußte nicht was eine Mutter war und fand, daß die Dinge gut waren, so wie sie waren.

Es änderte nichts daran. Meine Mutter nahm mich mit nach Münster. Ich lernte meinen Vater kennen und bekam die erste Ohrfeige. Es waren ganz neue Gefühle. Ich spielte mit meinen Geschwistern im Hof oder auf der Straße. Vorbei war es mit dem Fröschefangen und der ganzen Tierwelt um mich herum. Wir wohnten in der Gertrudenstraße 28 in Münster gegenüber dem Schlaun-Gymnasium. Ich wunderte mich, daß dort immer so viele Kinder waren. In meinen Vorstellungen wohnten dort offensichtlich viele Familien. Unsere Wohnung war sehr feucht. Mein Vater riß enmal einen Holzzaun in der Nachbarschaft ab, um die Wohnung zu beheizen. Er hatte dabei ein schlechtes Gewissen. Doch als er den Rest holen wollte, mußte er feststellen, daß ihm ein Nachbar zuvorgekommen war.

Wir wohnten in der Gertrudenstraße 28 gegenüber dem Schlaun-Gymnasium. Ich wunderte mich, daß dort immer so viele Kinder waren. In meinen Vorstellungen wohnten dort offensichtlich viele Familien. Die Wohnung war sehr feucht und mein Vater riß einen Holzzaun in der Nachbarschaft ab, um die Wohnung zu heizen. Als er den Rest holen wollte, mußte er feststellen, daß ihm ein Nachbar zuvorgekommen war.

Wir zogen auf die Grevenerstraße 68, Münster, und hatten für die Familie zwei Zimmer. Zum Geschirrspülen wurde das Spülbecken aus dem Tisch gezogen. Ein riesiger Herd von Küpersbusch präsentierte alle unsere Töpfe. Die Toiletten waren im Treppenhaus. Ich wurde weiterhin kräftig von meinem Vater verprügelt. Offensichtlich war ich nicht gerade sein Liebling.

Meine Geschwister und ich spielten auf der Straße und in den benachbarten Ruinen. Wir hatten uns einige Freunde unter den Nachbarkindern gemacht. Mit Bubi, einem Muttersöhnchen, spielte ich Fußball im Korridor und schoß den Ball gleich durch die Fensterscheibe. Statt zu ihn halten war Bubi vor Angst davongelaufen.

Es war Nachkriegszeit. Wir gehörten zu den Trümmerkindern. Die Trümmer wurden von den Frauen beseitigt. Auch meine Mutter gehörte zu den Tümmerfrauen: