LetzteEssensmarken

Die Nachkriegsjahre

Im Jahre 1948 gab es wieder Geld. Herman Josef Abs, mein späterer Bankchef, hatte Deutschlands Schuldenaufkommen kommerzialisiert. Wir hatten bislang auf Essensmarken gelebt. Auf meine Frage, was Geld sei, belehrte mich meine Mutter, daß man mit Geld alles kaufen kann.

 

Mit fünf Jahren kam ich auf die Uppenbergschule, blieb aber nicht sehr lange. 1949 zogen wir auf die Sternstraße 28 in Münster. Die Straße mit ihren Ruinen oder der Hinterhof bildeten unsere Spielplätze. Wir spielten meistens Schlagball im Hof und dies selbst auf die Gefahr hin, daß die Fensterscheiben daran glauben mußten. Unsere Spielkameraden waren Bernd und Heijo Laukamp, die Kinder des Eigentümers des Gebäudes und Vermieters. Letzere betrieben eine Schreinerwerkstatt im Hinterhof. Ferner waren da u. a. die Burwicks-Kinder und die Kinder des Metzgers im Haus: Kläuschen und Marlies. Connie Burwick gesellte sich erst nach langer Krankheit zu uns. Er war am Bein verletzt und hinkte. Seine Schwester stellte sich wohl jeden Tag auf die Waage und offenbarte uns voller Stolz, daß sie nunmehr einen Zentner wiege. Ferner waren da noch andere Kinder wie Karin und Giesela Walkowsky. Karin wollte ich einmal fangen und brach mir das Fußgelenk, als ich im Treppenhaus 10 Stufen in einem Sprung nahm.

Giesela traf ich später auf der Peter-Wust-Straße wieder. Sie hatte sich mit einem Bekannten von uns verheiratet. Karin verdiente sich ihren Lebensunterhalt auf dem Strich. Bernd Laukamp ortete ich in Köln als ich seine norwegische Ex-Freundin bei einem Maklertreffen in Paris traf. Er war Musiker beim Westdeutschen Rundfunk in Köln geworden.

FensterSternstr

 

 

 

Wir wohnten in der Dachwohnung, im dritten Stock. Eines Tages kam es uns in den Sinn entlang der Dachrinne von einem Zimmer in das benachbarte Zimmer zu kriechen. Meine Schwester und ich hatten den Mut. Hurra, wir überlebten es.  Den Beobachtern im gegenüberliegenden Gebäude blieb die Spucke weg.

 

 

 

Mein Schulbesuch setzte sich auf der Mauritzschule fort. Ich wurde weiterhin mächtig mit Prügelstrafen eingedeckt. Die Lehrer

 

 

 

Ernst Moneke und Reckmann waren die Hauptakteure. Letzterer unterrichtete mich nicht einmal. Angesichts der Häufigkeit dieser Exerzitien merkte ich schon gar nichts mehr von den Schmerzen. Man gewöhnt sich eben an alles. Immerhin gebot mein Vater der Schlagfreude des  Lehrers Moneke Einhalt.

 

Die Prügelei ging weiter auf dem Johaneum-Kolleg in Wadersloh, wo ich im Alter von 11 Jahren landete. Hauptakteure waren Pater Heldemar und Pater Günter. Es muß wohl ganz im Sinne des heiligen Franz von Assisi gewesen sein. Das ist der italienische Heilige, der so gerne Plätzchen aß und statt zu arbeiten lieber bettelte.