geldsystemwirtschaftliche Entwicklung 70er Jahre bis 2015

Zwischen den Siebziger Jahren und der Jahrtausendwende ist das globale Finanzsystem weltweit „dereguliert“ worden. D.h.: Großen Finanzinstitutionen sind von der Politik zunehmend Zugeständnisse gemacht und bis dahin bestehende Hindernisse aus dem Weg geräumt worden. Das hat dazu geführt, dass immer mehr reine Finanzprodukte erfunden wurden und immer mehr Geld in den Finanzsektor geflossen ist.

1998 kam es zu einer ersten systembedrohenden Krise, als der "Hedgefonds Long-Term Capital Management" (LTCM) zusammenbrach und eines dieser Finanzprodukte, nämlich Kreditausfallversicherungen (CDS - Credit Default Swap), in riesigem Umfang fällig wurden. Um den Zusammenbruch des gesamten Systems zu verhindern, schlossen sich mehrere Wallstreet-Banken zusammen und retteten den Hedgefonds.

Die Politik zog aus dem Notfall keine Konsequenzen, sondern erlaubte der Finanzwirtschaft sogar eine Ausweitung ihrer Geschäfte. 2008 kam es zur nächsten systembedrohenden Krise, als der amerikanische Häusermarkt zusammenbrach und Banken in aller Welt in den Abgrund zu reißen drohte. Diesmal waren die Summen, um die es ging, so groß, dass Banken und Finanzinstitute sie nicht stemmen konnten. Also griffen die Regierungen ein und retteten die Finanzinstitutionen unter dem Vorwand, sie seien „too big to fail“, mit dem Geld der Steuerzahler. Sie wälzten also private Verluste von Investoren auf die Allgemeinheit ab.
 

Das aber riss riesige Löcher in die Staatshaushalte. Um diese zu füllen, wurden „Austeritätsprogramme“ (Sparprogramme) eingeführt, mit denen die arbeitenden Menschen für die Verfehlungen der Finanzindustrie aufkommen mussten.  Das führte dazu, dass die Mehrzahl der Menschen gezwungen war, den Gürtel enger zu schnallen und weniger zu konsumieren. Daraufhin ließ die wirtschaftliche Nachfrage weltweit nach.

Die Regierungen reagierten, indem sie die Zentralbanken anwiesen, Geld zu drucken, um es zu Niedrigzinsen an die Finanzwirtschaft zu verleihen. Diese sollte es dann in den Wirtschaftskreislauf einspeisen und so die Wirtschaft wieder in Gang bringen.

Dieser Effekt aber blieb aus und zwar aus einem einfachen Grund: Durch die Einstufung als „too big to fail“ hatte die Finanzindustrie einen Freibrief erhalten, der ihr erlaubte, fast risikolos auf die viel lukrativere Spekulation an den Finanzmärkten zu setzen, anstatt in die Infrastruktur oder die industrielle Produktion zu investieren. Auf diese Weise wanderten zusätzliche Billionen in den Finanzsektor und bläthen ihn noch weiter auf.
 

Diese Entwicklung führte dazu, dass der Sektor der Derivate (spekulative Finanzprodukte, die mit der Realwirtschaft nichts zu tun haben) gegenüber 2008 um 20 Prozent stiegen. Das größte Problem aber war die globale Verschuldung, die mit etwa 200 Billionen Dollar einen historischen Höchststand erreichte.

Das Problem dieser Verschuldung liegt vor allem darin, dass zur Rückzahlung von Zins und Zinseszins – sowohl im unternehmerischen wie auch im staatlichen Bereich - ein weiteres Wachstum der Wirtschaft und eine zumindest moderate Inflation notwendig sind. Sollte es zur Stagnation oder Rezession kommen, so tritt eine Deflation (ein Sinken der Preise und damit der Steuereinnahmen) ein. Ohnehin ist eine Rückzahlung der Staatsschulden denkbar unmöglich.ww

Chinas Wachstum der vergangenen Jahre ist mit einer Explosion des Schattenbankensektors und ebenfalls mit einer Rekordverschuldung einhergegangen. Chinas Problem ähnelt dem der westlichen Länder: Es braucht wirtschaftliches Wachstum und Inflation, aber das in größerem Maße als der Westen.

Da die weltweiten Märkte derzeit aber nicht mehr chinesische Waren aufnehmen können, ist China an einem Wendepunkt angekommen, der sich zurzeit auf dem Aktienmarkt niederschlägt. Die Verzweiflung der Regierung lässt sich daran ablesen, dass sie zunächst selbst mit Milliarden in den Markt eingegriffen hat und mittlerweile sogar den Rentenfonds erlaubt hat, 30 Prozent ihres Geldes in den Aktienmarkt zu investieren. Wie ernst die Situation ist, lässt sich daraus ersehen, dass beide Maßnahmen wirkungslos verpufft sind.

Die Weltwirtschaft leidet, wie wir gesehen haben, an zwei schweren Krankheiten:

  • Zum einen an der Austeritätspolitik, die ein Wachstum verhindert,
  • zum anderen an der Tatsache, dass die Finanzindustrie wegen ihrer Einstufung als „too big to fail“ gar nicht daran denkt, sie wieder in Gang zu bringen, sondern sich lieber weiter am Casino des Finanzkapitalismus beteiligt.

Fazit:

  • Es handelt sich bei den gegenwärtigen Problemen nur um den Auftakt zu einer weitaus größeren Krise im Vergleich  zu 2008;
  • Eine Korrektur ist außerdem ausgeschlossen. Warum? Weil die Finanzindustrie weltweit organisiert ist und ein einzelnes Land, das ihr auch nur die kleinsten Hindernisse in den Weg legt, umgehend von ihr (und der ihr hörigen Politik) in die Knie gezwungen wird – wie z. Beisp.:  Griechenland.

Am Verfall wird gut verdient wie es das Beispiel des Internationalen Währungsfonds (IWF) beweist:


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Anmerkung zum Internal Revenue Service (Abkürzung IRS)

Der IRS ist die Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten und ist dem Finanzministerium unterstellt. Sie wurde 1913 in der Folge der Verabschiedung des 16. Zusatzartikels zur amerikanischen Verfassung gegründet.

Die Aufgabe der Behörde ist die Erhebung aller Bundessteuern sowie Ermittlungen in Steuerstrafsachen und der Forderungseinzug. Die IRS hat 89.500 Mitarbeiter und einen Etat von etwa 11 Mrd. US-Dollar (Stand 2014). Behördenleiter ist als Commissioner of Internal Revenue derzeit John Koskinen.[1] Die Bundessteuerbehörde IRS hat ihren Sitz an der Constitution Avenue in Washington, D.C.

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Quellen:


1. AMERICAN STOCK EXCHANGE. Foto: Russ Allison Loar, USA > http://russloarphotos.com/. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0).

2. At Occupy Wall Street Protest, Zuccotti Park, NYC: "NOW WE ARE TOO BIG TO FAIL" Foto: Maggie Munoff. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0).

3. Die Bank HSBC (Hongkong & Shanghai Banking Corporation Holdings PLC) ist eine international agierende Großbank mit Sitz in London. Gemäß der Fortune Global 500 Liste 2012 ist HSBC Holdings das 53.-größte Unternehmen der Welt. Occupy occupies HSBC on February 14, 2013, in midtown Manhattan. Not really. They picketed though, demanding jail for senior bank officials.

Foto: Michael Fleshman. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)

4. "Banken in die Schranken". "Es geht nicht um Banken, es geht um Menschen. Alternativlos." Foto: Jakob Huber / Campact. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

5. Finanzkapitalismus: Wir leben in einem totalitären System des Finanzkapitalismus. Dieses regiert nicht mittels offener Gewalt, sondern raffinierter Disziplinierungstechniken. Ständig wird uns eingeredet, wir hätten von irgendwas zu wenig - dabei ersticken wir in blindem Konsum! ABER: WIR SIND NICHT DAS WAS WIR HABEN, SONDERN WAS WIR TUN! Foto: Flickr-user "kellerabteil". Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

6. Proteste der Griechen nehmen zu - sie haben die Austeritätspolitik gründlich satt. Jede/r zweite Jugendliche ist arbeitslos und eine Million Rentner leben seit über einem Jahr von weniger als 500 Euro im Monat. Foto: Joanna. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

7. Die Staatsverschuldung der USA beläuft sich mittlerweile auf über 18 Billionen US-Dollar - mehr als 57.000 Dollar pro Einwohner. Die globale Verschuldung hat mit etwa 200 Billionen Dollar einen historischen Höchststand erreicht. Foto: Tim Kwee. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

8. Cover: "WELTMACHT IWF - Chronik eines Raubzugs" von Ernst Wolff. Wolff im Interview mit KenFM - weiter und zur Buchvorstellung.